Stadtrandlage

Wedding. Abseits des Touristenbusmagneten Berliner Mauer, jenseits der Bernauer Straße (von Euch aus gesehen, liebe Mitte-Prenzlauerberger), in meinem Wohnquartier in gefühlter Stadtrandlage, heute Mittag im Café-Bistro Freysinn:

Tür auf: da sind sie ja alle! Menschen zwischen 30 und 40, gute Jobs im Mediensektor oder im Bildungsbereich, Eltern freier Schüler, Trinkgeldgebenkönner, Mittebewohner und Prenzlauer Berg-Eigentumswohnungsbesitzer. Viele Menschen. Alle im Café Freysinn; alle Stühle besetzt, alle warten auf freie Stühle oder den bestellten “daily quark”. Ich will Kaffee zum Mitnehmen. Mit staunenden Augen, etwas ungläubig, stelle ich mich mit meinen zwei Euro in der Hand hinten in der Schlange an. Um ein Haar hätte ich vor der Tür warten müssen. So voll ist es. Ich fühle mich eigenartig. Als stünde ich in Werbig inmitten einer Montagsdemo und wartete auf das nächste Raumschiff.  Marta und Kathi wirbeln mit hochkonzentrierten Blicken um die Feuerstelle. Ich sehe ihnen zu und überlege, wann ich das letzte Mal so viele Menschen in einem so kleinen Raum gesehen habe. Als ich dran bin, sage ich: “Kein Essen, nur Kaffee.” Die Aushilfskraft am Tresen lächelt: Nur Kaffee.

Mit dem Pappbecher in der Hand steige ich aus dem Raumschiff aus, trete auf die ruhige Jasmunder Straße. Draußen: vertraute Stadtrandlage auf dem Planeten Wedding.

Geschrieben von Dominique. Zuerst veröffentlicht auf www.planet-wedding.de.

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